Kurzantwort: Bleirohre in der Trinkwasserinstallation sind gesundheitsschädlich, weil Blei ins Trinkwasser übergehen kann. In Stuttgart können noch ältere Gebäude Bleirohre haben. Wer unsicher ist, sollte eine Wasserprobe nehmen und im Zweifelsfall unverzüglich sanieren lassen.
Warum sind Bleirohre gefährlich?
Blei ist ein giftiges Schwermetall, das sich bei dauerhafter Aufnahme im Körper anreichert. Besonders gefährdet sind Kinder und Schwangere, da Blei die Gehirnentwicklung schädigt. Der Grenzwert für Blei im Trinkwasser liegt in Deutschland laut Trinkwasserverordnung bei 0,010 mg/l. In Gebäuden mit Bleirohren wird dieser Grenzwert häufig überschritten - manchmal erheblich.
In welchen Gebäuden können Bleirohre vorhanden sein?
Bleirohre wurden in Deutschland bis in die 1970er-Jahre für Trinkwasserleitungen verwendet. Betroffen sind vor allem Gebäude, die vor 1973 errichtet wurden. In Stuttgart, wo viele Altbauten aus der Gründerzeit und der Vorkriegszeit stammen, ist das Thema daher durchaus relevant - besonders in Stadtteilen wie Stuttgart-West, dem Stuttgarter Norden oder Teilen von Bad Cannstatt.
So erkennen Sie Bleirohre
Sichtprüfung
Blei ist ein weiches, blaugraues Metall. Sichtbare Rohre im Keller oder in der Verteilung können Sie so testen:
- Kratztest: Kratzen Sie mit einem Schlüssel oder Messer leicht über das Rohr. Bleirohre hinterlassen einen glänzenden, silbrig-grauen Strich.
- Biegetest: Bleirohre sind sehr weich und lassen sich leicht biegen - im Gegensatz zu Kupfer oder Stahl.
- Farbe: Bleirohre sind aussen oft dunkelgrau bis schwärzlich (Oxidation), innen silbrig-glänzend.
Wasseranalyse
Ein Kratztest gibt Hinweise, aber Gewissheit bringt eine Laboranalyse des Trinkwassers. Lassen Sie das Wasser nach einer Stehzeit von mindestens 30 Minuten aus dem Hahn zapfen und einsenden. Labore sind über das Stuttgarter Gesundheitsamt oder private Wasseranalyse-Dienste buchbar.
Was tun bei bestätigten Bleirohren?
Sind Bleirohre nachgewiesen, sollten Sie:
- Sofortmaßnahme: Wasser stets einige Minuten fließen lassen, bevor Sie es trinken oder kochen. Niemals Leitungswasser, das länger als vier Stunden stand, ungefiltert trinken.
- Kein Babynahrung mit dem Wasser zubereiten, bis die Leitungen ersetzt sind.
- Vermieter informieren: In Mietwohnungen ist der Vermieter verpflichtet, den Grenzwert der Trinkwasserverordnung einzuhalten. Er muss sanieren.
- Sanierung beauftragen: Der vollständige Austausch der Bleirohre durch Kupfer- oder Kunststoffleitungen ist die einzig dauerhafte Lösung.
Kosten der Rohrsanierung
Die Kosten für den Austausch von Bleileitungen hängen von der Ausdehnung des Systems ab:
- Wohnung mit 3 bis 4 Zimmern: 2.000 bis 6.000 Euro
- Ganzes Mehrfamilienhaus: 10.000 bis 30.000 Euro und mehr
In manchen Bundesländern gibt es Förderprogramme für die Sanierung von Bleileitungen. Informieren Sie sich beim Stuttgarter Amt für Stadtplanung und Wohnen oder der KfW über mögliche Zuschüsse.