Kurzantwort: Bei einer Verstopfung im Hausanschluss ist entscheidend, wo genau die Blockade sitzt. Alles auf Ihrem Grundstück bis zur Grundstücksgrenze ist Ihre Zuständigkeit. Was hinter der Grundstücksgrenze im öffentlichen Kanal liegt, ist Sache der Stadt Stuttgart. Im Zweifelsfall muss eine Kamerabefahrung die genaue Position klären.
Was ist der Hausanschluss?
Der Hausanschluss verbindet die innere Entwässerung eines Gebäudes mit dem öffentlichen Abwasserkanal der Stadt Stuttgart. Er besteht meist aus der Grundleitung unter dem Gebäude und dem sogenannten Anschlusskanal, der vom Gebäude bis zur Grundstücksgrenze (oder bis zur Anbindung an den öffentlichen Kanal) verläuft.
Die genaue rechtliche Grenze zwischen privatem und öffentlichem Bereich ist in Stuttgart in den jeweiligen Entwässerungssatzungen und im Liegenschaftsplan festgelegt. Sie liegt in der Regel an der Grundstücksgrenze oder am Übergabeschacht.
Wer ist für was zuständig?
Privater Bereich: Zuständigkeit des Eigentümers
Alle Leitungen, die sich auf Ihrem Grundstück befinden - vom Gebäude bis zur Grundstücksgrenze - liegen in Ihrer Verantwortung. Das bedeutet:
- Reinigung und Wartung der Grundleitung
- Reparatur oder Sanierung bei Schäden
- Kosten für Rohrreinigung und Kamerainspektion
Öffentlicher Bereich: Zuständigkeit der Stadt Stuttgart
Für den Teil des Kanals, der hinter der Grundstücksgrenze liegt, ist das Tiefbauamt der Stadt Stuttgart zuständig. Wenn dort eine Verstopfung vorliegt, wenden Sie sich an die städtische Kanalbetrieb-Abteilung. Die Kontaktdaten finden Sie auf der Website der Stadt Stuttgart.
Wie findet man heraus, wo die Verstopfung sitzt?
Das ist oft die entscheidende Frage. Ein Rohrreinigungsbetrieb kann mit einer Kamerabefahrung die genaue Position der Blockade ermitteln. Moderne Kameras haben einen Signalsender, mit dem die genaue Position im Boden geortet werden kann. So lässt sich feststellen, ob die Verstopfung auf Ihrem Grundstück oder im öffentlichen Bereich liegt.
Holen Sie sich dieses Ergebnis schriftlich und mit Foto- oder Videodokumentation. Das ist wichtig, wenn Sie die Kosten an die Stadtverwaltung oder die Gebäudeversicherung weiterreichen wollen.
Typische Ursachen am Hausanschluss
- Fett- und Seifen-Ablagerungen: Über Jahre hinweg bauen sich Beläge in der Grundleitung auf.
- Wurzeleinwuchs: Baumwurzeln dringen durch undichte Rohrverbindungen ein und wachsen langsam in das Rohrinnere.
- Sedimentablagerungen: Sand und Schlamm setzen sich bei flachem Gefälle fest.
- Fremdkörper: Bauteile, Putzmittelbecher oder andere Gegenstände, die in den Schacht gefallen sind.
- Beschädigtes Rohr: Risse oder Verschiebungen durch Bodenbewegungen oder Frost.
Kosten für die Reinigung des Hausanschlusses
- Hochdruckspülung bis 20 Meter: 200 bis 400 Euro
- Mit Kamerainspektion und Bericht: 350 bis 600 Euro
- Bei Wurzeleinwuchs (Fräsung): Aufpreis 100 bis 300 Euro
Liegt die Ursache nachweislich im öffentlichen Kanal, können Sie die Reinigungskosten nicht selten bei der Stadt Stuttgart geltend machen - allerdings nur mit entsprechendem Nachweis.
Vorbeugung: Revisionsschacht und Wartung
Ein zugänglicher Revisionsschacht an der Grundstücksgrenze erleichtert zukünftige Kontrollen und Reinigungen erheblich. Ist kein Schacht vorhanden, lohnt es sich, beim nächsten Eingriff einen einbauen zu lassen. Eine Wartungsreinigung alle drei bis fünf Jahre hält den Hausanschluss frei und verhindert kostspielige Notfälle.